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Pflegewoche - wieso, weshalb, warum

Vom 24. Juli an ist wieder Pflegewoche im Bochumer Golfclub und die hat, wie in jedem Jahr, 10 Tage. Auswirkungen auf den gregorianischen Kalender sind aber nicht zu befürchten. Befürchtet und bemängelt wird aber immer gern, dass der Platz mitten in der besten Golfzeit nicht in optimalem Zustand zur Verfügung steht und auch nach diesen zehn Tagen noch eine Weile braucht, bis er wieder Top-Niveau hat. Da taucht natürlich die Frage auf, ob das nun wirklich sein muss. Hier sind nun einige Antworten.
Zu allererst muss noch einmal vorweg geschickt werden, dass der Platz ja nicht gesperrt ist. Man kann durchaus seinem Hobby frönen, muss aber auf Einschränkungen gefasst sein. Außerdem haben die Greenkeeper-Teams in dieser Zeit absolute Priorität und müssen und sollen auch gar nicht ihre Arbeit unterbrechen, wenn Spielerinnen und Spieler zum Schlag ansetzen. Dies bitte in den kommenden Tagen beachten!

Um zu verstehen, warum die Pflegewoche, die ja vor allem die Grüns betrifft, notwendig und genau jetzt notwendig ist, muss man etwas weiter ausholen, denn ohne einige Grundkenntnisse ist das schwerlich nachvollziehbar. Head-Greenkeeper Jürgen Haarmann gewährt uns Einblick in einige Probleme und Arbeiten der Greenkeeper.

Wichtig ist, den Bodenaufbau eines Grüns zu kennen. Die Skizze zeigt direkt im Baugrund eine mit Kies abgedeckte Drainage mit darüber liegender Filterschicht. Dann wird es interessant, denn es folgt die sogenannte Rasentragschicht (RTS). Sie ist 25cm dick und ist der Bearbeitungshorizont des Grüns, also der Teil, um den sich der Greenkeeper kümmern muss.Idealerweise besteht eine RTS (Rasentragschicht) zu 30% aus Sand, zu 30% aus Wasser und zu 30% aus Luft. Dazu kommen 10% Wurzelmasse und abgestorbenes Pflanzenmaterial. Schon anhand der Zahlen kann man ahnen, dass es nicht immer einfach ist, dieses sensible Verhältnis immer (möglichst genau) einzuhalten. Denn darum geht es.

Die Grüns sind mit hoch strapazierfähigem, trittverträglichem und tiefschnittverträglichen Rasen eingesät. Diese Gräser bilden nicht nur Wurzeln, sondern auch unterirdische und oberirdische Ausläufer, die ihrerseits wiederum Wurzeln bilden.

Werden diese Gräser nur gemäht, bildet sich innerhalb kürzester Zeit eine dicke Rasenfilzschicht.(braun im Schema). Ist diese Filzschicht zu dick, haben wir weiche und schwammige Grüns.
Für die Golfer heißt das, dass die Grüns langsamer werden und nicht treu sind.

Moderschicht intextFür den Greenkeeper hat das andere Nachteile: 1cm Rasenfilz speichert bis zu 10 Liter Wasser je Quadratmeter. Damit gerät das Idealverhältnis ordentlich durcheinander. Außerdem bleiben die Graswurzeln in der Filzschicht und wachsen nicht in den Boden. Die Gräser werden geschwächt und verlieren an Vitalität. Und dann kommen noch Pilzsporen hinzu, die sich im Filz absetzen und die geschwächten Gräser befallen.

Deshalb muss der Rasenfilz beseitigt werden. Das geschieht zum großen Teil mechanisch. Wir vertikutieren die Grüns, wenn möglich, alle zwei Wochen.
Aber diese Arbeiten genügen nicht, denn bei der regelmäßigen Mahd und beim Vertikutieren wird das Schnittgut nicht komplett aufgesammelt und die Reste legen sich auf die Bodenoberfläche. Dieses Pflanzenmaterial und die abgestorbenen Wurzeln, die sich im Boden befinden, werden durch Sauerstoff liebende Bakterien in Humus umgewandelt. Den allerdings können wir auf den Grüns nicht oder nur in geringer Menge gebrauchen. Deshalb streuen wir zusätzlich Sand.

Erschwerend kommt schließlich hinzu, dass durch die mechanische Pflege und den Spielbetrieb die Hohlräume in der Rasentragschicht verdichtet werden. Dann ist kein Platz für Luft vorhanden und die Sauerstoff liebenden Bakterien sterben ab.

In der RTS bildet sich dann einen schwarze moderig riechende Schicht, die verhindert, dass das Wasser abfließen kann. Außerdem ist sie toxisch für die Gräser.
Schadenbild intext

Das ist das Resultat wenn wir nicht für den Gasaustausch im Boden sorgen und die Rasentragschicht mit unseren Lüftungsgeräten bearbeiten.

Wir bearbeiten vor jedem Besanden die Grüns mit einem sogenannten Spicker . Das ist ein Gerät mit vielen dreieckigen Messern die auf einer Walze montiert sind und 3cm tiefe und 3cm lange Schlitze in den Boden schneiden.

Aber 2 mal jährlich müssen wir tiefer gehen. Dann werden die Grüns aerifiziert oder anders ausgedrückt: Die Grüns werden gelocht und anschließend mit trockenem Sand wieder verfüllt.
Einmal jährlich im Dezember setzen wir ein so genanntes Vertidrain ein. Wie auf dem Bild zu sehen ist, sticht dieses Gerät die Meißel in den Boden und durch die Vorwärtsbewegung der Zugmaschine wird der Boden nach oben gedrückt.
Diese Arbeit bricht Bodenverdichtungen auch in tieferen Schichten auf und bringt sehr viel Luft ins Bodengefüge. Die Grüns werden danach bis Mitte oder Ende Februar gesperrt, wobei die Löcher bis dahin nicht verfüllt werden.

vertidrain intextEine zweite tiefgreifende Maßnahme muss dann eben ein halbes Jahr später stattfinden. Das ist genau der Grund, warum es die Pflegewoche gibt. Immerhin gestalten sich die Belüftungsarbeiten nicht so, dass die Grüns mehrere Wochen gesperrt werden müssen, sondern können recht bald wieder genutzt werden. Bis sie dann allerdings wieder in bestem Zustand sind, vergehen doch mindestens drei Wochen.

Da zwei Phasen mit Tiefarbeiten zwingend notwendig sind, hat man nur die Option, wie man diese Arbeiten im Kalender platziert. Jeder kann sich leicht selbst ausrechnen, dass die Platzierung der Arbeiten im Dezember und Juli noch am wenigsten in den Spielbetrieb eingreift. Eine sechs- oder achtwöchige Sperrung der Grüns im April/Mai oder September/Oktober wäre ganz sicher nicht im Sinne der Golferinnen und Golfer.

Die Platzierung im Dezember ist also eigentlich alternativlos. Daraus ergibt sich dann zwingend die Platzierung der zweiten Tiefenpflegephase in den Juli. Hier bliebe nur, die notwendige Pflege zu unterlassen. Das hätte dann auf Dauer kaum mehr vernünftig zu bespielende Grüns zur Folge. Und das ist natürlich indiskutabel und keine Option. Nehmen wir also einige wenige Wochen holprige Grüns in Kauf, damit wir dann einen langen, schönen Golfherbst mit wieder optimalen Grüns genießen können

Dr. Michael Küpper

© Dr. Michael Küpper/Bochumer GC. Verwendung Bild und Text nur mit ausdrücklicher Genehmigung.

 
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